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F.H.: Mit der Vergabe
der Masters-Europameisterschaft nach Togliatti in Russland hatte der
Europäische Gewichtheberverband den ausländischen Teilnehmern eine etwas
abenteuerliche Reise auferlegt. Die Stadt mit 800 000 Einwohnern liegt
direkt an der Wolga, ungefähr 1000 km östlich von Moskau. Abgesehen von
den umständlichen Einreiseformalitäten waren die Verhältnisse vor Ort in
keinem Fall EM-würdig. Die ausgeschriebene Wettkampfstätte gab noch einen
Tag vor Beginn der EM keine Anzeichen, dass hier eine Woche lang
Gewichtheben stattfinden würde. Dann am Nachmittag die Erklärung, dass die
Wettkampfstätte kurzfristig verlegt werden musste. Der dann zur Verfügung
stehende kleine Saal als Sporthallenersatz hätte in Deutschland allenfalls
Bezirksniveau erfüllt. Doch trotz all dieser organisatorischen
Widrigkeiten verlief die Kontinentalmeisterschaft für die drei Obrigheimer
Teilnehmer mit je einer Silbermedaille sportlich äußerst erfolgreich.
Den Anfang machte Horst Nitschke, der in der Klasse -62 kg der 70- bis 75-jährigen an die Hantel ging. Er ging sehr gut vorbereitet in den Wettkampf und lag im Reißen nach geglückten 50 kg im 2. Versuch auf dem 2. Platz, lediglich 2 kg hinter dem Führenden. Im Stoßen begann er mit 56 kg und sicherte damit die Vizemeisterschaft ab. Trotz der Steigerung auf 60 kg im 2. Versuch und somit 110 kg im Zweikampf konnte er den Erstplatzierten nicht mehr gefährden. Aus der insgeheim erhofften Medaille war damit Silber geworden. Karl-Heinz Jakob startete in der gleichen Altergruppe in der Klasse bis 77 kg. Für ihn war es sein erster internationaler Wettkampf nach 25-jähriger Trainingsabstinenz. Doch ein halbes Jahr der Vorbereitung hatten ausgereicht, um im Reißen ohne Fehlversuch 50 kg zur Hochstrecke zu bringen. Damit lag er leistungsgleich mit 2 weiteren Konkurrenten auf dem 3. Platz. Mit 3 gültigen Stoßversuchen und dem Höchstwert von 68 kg gelang es ihm, diesen Platz zu behaupten. Die Überraschung kam dann, als sein russischer Konkurrent, bis dahin auf Platz 1 geführt, kurz vor der Siegerehrung disqualifiziert wurde und er somit unerwartet Silber in Empfang nehmen konnte. Die ungünstigsten Aussichten auf Edelmetall bestanden für Walter Kretz, der in der Klasse -62 kg der 55- bis 60-jährigen auf sehr starke Konkurrenz traf. Doch er fand sehr gut in den Wettkampf und absolvierte ein fehlerfreies Reißen mit einem Bestwert von 63 kg. Im Stoßen konnte er diese makellose Serie fortsetzen und es gelang ihm, im 3. Versuch 84 kg über dem Kopf zu fixieren. Mit 147 kg im Zweikampf hatte er es tatsächlich geschafft, bis auf einen alle Widersacher zu übertrumpfen. Am Ende stand die verdiente Vizemeisterschaft, wodurch er das Silbertrio komplett machte. |